- Nelkenwasser wird aus getrockneten Nelken (Gewürznelken) aufgebrüht und enthält den Wirkstoff Eugenol
- Eugenol wirkt nachweislich antimikrobiell, antioxidativ und leicht betäubend auf Schleimhäute
- Als Hausmittel sinnvoll bei Blähungen, Verdauungsbeschwerden und zur Mundspülung
- Nelkenöl pur hat eine deutlich höhere Eugenol-Konzentration als Nelkenwasser und wirkt gezielter – z.B. bei Zahnschmerzen
- Dosierung: 1–2 Tassen täglich, nicht dauerhaft; nicht für Schwangere und Kleinkinder unter 2 Jahren
Nelken kennen die meisten aus der Weihnachtsküche oder stecken sie gedanklich in Orangen. Dass man aus getrockneten Gewürznelken ein Wasser aufbrühen kann, das tatsächlich interessante Inhaltsstoffe liefert, ist weniger bekannt. Nelkenwasser kursiert in vielen Naturheil-Communities als Allheilmittel – von „reinigt das Blut“ bis „heilt Krebs“. Das stimmt nicht. Was Nelkenwasser wirklich kann, ist wissenschaftlich deutlich nüchterner beschrieben, aber trotzdem relevant.
Dieser Artikel erklärt, was drin ist, was belegt ist, was nicht – und wie du Nelkenwasser richtig zubereitest.
Was ist Nelkenwasser eigentlich?
Nelkenwasser ist ein Aufguss aus getrockneten Gewürznelken (Syzygium aromaticum) in heißem Wasser. Das klingt unspektakulär, aber Nelken gehören zu den aromastoffreichsten Gewürzen überhaupt. Ihr ätherisches Öl besteht zu etwa 70–90 % aus Eugenol, einem Phenylpropanoid mit gut dokumentierten biologischen Eigenschaften.
Wenn du Nelken in kochendes Wasser gibst, löst sich ein Teil dieses Eugenols und der enthaltenen Gerbstoffe ins Wasser. Die resultierende Konzentration ist deutlich niedriger als bei reinem Nelkenöl – aber nicht null. Das ist der entscheidende Unterschied zu manchen Behauptungen im Netz: Nelkenwasser ist kein „verdünntes Nelkenöl“, aber es enthält bioaktive Verbindungen in messbaren Mengen.
Der Hauptwirkstoff: Eugenol
Eugenol ist der Star in der Nelke. In der Zahnmedizin wird es seit Jahrzehnten eingesetzt – als lokalanästhetische Komponente in Zahnfüllungszementen und als Bestandteil von Mitteln gegen Zahnschmerzen. Das ist kein Mythos, sondern gelebte Praxis in Zahnarztpraxen. Wer schon mal Nelkenöl direkt auf einen schmerzenden Zahn oder eine entzündete Zahnfleischstelle getupft hat, kennt den leicht betäubenden Effekt.
Für Eugenol sind in wissenschaftlichen Studien (hauptsächlich In-vitro, also im Labor) folgende Eigenschaften gut belegt:
- Antimikrobiell: Eugenol hemmt das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze, darunter Staphylococcus aureus und Candida albicans. Wie stark dieser Effekt beim Trinken von Nelkenwasser im Körper ankommt, ist eine andere Frage.
- Antioxidativ: Nelken haben einen extrem hohen ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity), der die antioxidative Kapazität misst. Eugenol fängt freie Radikale ab. Das ist im Labor eindeutig, ob es klinisch relevant ist, hängt von der aufgenommenen Menge ab.
- Leicht lokalanästhetisch: Auf Schleimhäute aufgetragen, blockiert Eugenol Schmerzrezeptoren. Beim Trinken von Nelkenwasser ist dieser Effekt im Rachenraum spürbar, weniger im Magen-Darm-Trakt.
- Entzündungshemmend: In Laborversuchen hemmt Eugenol verschiedene Entzündungsmediatoren. Auch hier gilt: In-vitro-Daten lassen sich nicht 1:1 auf den Menschen übertragen.
Was Nelkenwasser kann – und was nicht
Lass uns ehrlich sein: Viele Behauptungen rund um Nelkenwasser sind schlicht übertrieben. „Reinigt das Blut“, „entgiftet die Leber“, „tötet Parasiten ab“ – das sind Formulierungen aus dem Reich des Wunschenkens, nicht der Wissenschaft.
Was tatsächlich plausibel und teils durch traditionelle Anwendung gestützt ist:
- Verdauungsbeschwerden und Blähungen: Gewürznelken gehören zur Gruppe der Karminativa – Pflanzen, die die Darmmuskulatur entspannen und Blähungen lindern können. Das ist historisch gut dokumentiert und im Prinzip plausibel, auch wenn kontrollierte klinische Studien rar sind.
- Mundspülung: Nelkenwasser als Mundspülung hat durch den antimikrobiellen Effekt von Eugenol eine gewisse Basis. Es ersetzt aber keine Zahnpasta oder ärztliche Behandlung bei Zahnproblemen.
- Übelkeit: Nelken werden traditionell bei Reiseübelkeit und leichter Übelkeit eingesetzt. Belastbare Humanstudien fehlen, aber der Einsatz ist unbedenklich und hat wenig Nebenwirkungen in normaler Menge.
- Zahnschmerzen (topisch): Hier gilt klar: Nelkenöl pur ist deutlich effektiver als Nelkenwasser. Ein in Nelkenöl getränktes Wattestäbchen direkt auf den schmerzhaften Zahn ist das klassische Hausmittel – und hat eine reale betäubende Wirkung. Nelkenwasser trinken hilft da kaum.
Was Nelkenwasser definitiv nicht ist: eine Therapie für ernsthafte Erkrankungen. Wer chronische Verdauungsprobleme, anhaltende Zahnschmerzen oder andere gesundheitliche Beschwerden hat, braucht ärztliche Abklärung – kein Hausmittel-Wasser, egal wie viel Eugenol drin ist.
Rezept: Nelkenwasser selbst zubereiten
Die Zubereitung ist denkbar einfach. Du brauchst keine Sonderausstattung.
- 5–6 ganze Gewürznelken (bio, wenn möglich)
- 500 ml kochendes Wasser
- Ein feines Sieb
Gib die Nelken in eine Tasse oder ein kleines Kännchen, übergieße sie mit dem kochenden Wasser und lass sie 10 Minuten ziehen. Dann abseihen. Das Wasser hat einen kräftigen, leicht scharfen Nelkengeschmack. Wer es milder mag, nimmt nur 3–4 Nelken.
Du kannst das Wasser warm trinken oder leicht abkühlen lassen. Manche kombinieren es mit etwas Ingwer oder Honig – das ist Geschmackssache, keine Wirkungsverbesserung.
Dosierung und Anwendung
Als grobe Orientierung gilt: 1–2 Tassen täglich, über einen begrenzten Zeitraum. Nelkenwasser ist als ergänzendes Hausmittel gedacht, nicht als Dauergetränk.
Nelken sind konzentrierte Gewürze. Eugenol kann in größeren Mengen Schleimhäute reizen, die Leber belasten (langfristig hochdosiert) und Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten haben. In normalen Mengen – ein paar Tassen pro Woche – ist das kein Problem für gesunde Erwachsene.
Eine gute Orientierung bieten auch andere traditionsreiche Hausmittel wie Knoblauch mit Honig, das ähnlich aufgebaut ist: Volksmedizin mit echter bioaktiver Basis, aber ohne die Allmachtsversprechen der Social-Media-Welt.
Vorsicht: Wer Nelkenwasser meiden sollte
Nicht jeder sollte Nelkenwasser bedenkenlos trinken.
- Schwangere: Nelkenöl hochdosiert wirkt uterusstimulierend und steht im Verdacht, Wehen auszulösen. Nelkenwasser in kleinen Mengen ist wahrscheinlich unbedenklich, aber der vorsichtige Rat lautet: lieber weglassen, mit Arzt oder Ärztin besprechen.
- Kinder unter 2 Jahren: Ätherische Öle sind für Kleinkinder in konzentrierter Form nicht geeignet. Auch wenn Nelkenwasser verdünnt ist, sollte es für diese Altersgruppe gemieden werden.
- Menschen mit Blutungsneigung oder auf Blutverdünnern: Eugenol kann die Blutgerinnung hemmen. Wer Marcumar, ASS oder andere blutverdünnende Mittel nimmt, sollte Rücksprache mit dem Arzt halten.
- Nelkenallergie: Selten, aber möglich. Wer auf andere Gewürze (Zimt, Pfeffer) allergisch reagiert, sollte vorsichtig sein.
Wenn du grundsätzlich auf natürliche Hausmittel setzt und dabei auf Chemikalien im Haushalt verzichten willst, lohnt sich auch ein Blick auf gängige Umweltgifte im Haushalt – viele davon lassen sich mit einfachen Mitteln ersetzen.
Nelkenwasser vs. Nelkenöl: Was ist der Unterschied?
Das ist eine Frage, die oft untergeht. Nelkenöl ist das konzentrierte ätherische Öl aus den Blütenknospen der Nelkenpflanze. Es besteht zu 70–90 % aus Eugenol und ist entsprechend potent. Nelkenwasser enthält nur einen Bruchteil dieser Konzentration – wie viel genau, hängt von Ziehzeit, Menge der Nelken und Wassertemperatur ab.
Für die Anwendung bedeutet das:
- Bei Zahnschmerzen: Nelkenöl direkt auf die betroffene Stelle ist wirksamer als Nelkenwasser trinken
- Zum Trinken, für Verdauung und Mundspülung: Nelkenwasser ist die sicherere, magenfreundlichere Option
- Nelkenöl pur verschlucken oder in großen Mengen anwenden: nicht empfehlenswert – es kann Schleimhäute reizen und in größeren Mengen toxisch wirken
Nachhaltig und natürlich: Warum Gewürze als Hausmittel Sinn ergeben
Wer nachhaltig leben will, denkt oft zuerst an Plastikverpackungen oder Energieverbrauch. Dabei lohnt sich auch ein Blick in die Küche. Gewürznelken sind ein nachwachsender Rohstoff, die Anwendung als Hausmittel erzeugt keinen Plastikmüll, keine Chemikalien und keine unnötigen Verpackungen.
Das ist kein Grund, auf wirksame Medikamente zu verzichten. Aber als begleitende Maßnahme bei leichten Beschwerden kann ein einfacher Kräuteraufguss eine sinnvolle erste Wahl sein – gerade dann, wenn man ohnehin auf Zero Waste im Alltag achtet und den Griff zur Plastikverpackung reduzieren will.
Ähnlich denken lässt sich beim Thymian-Hustensaft: Ein weiteres Hausmittel mit echter pflanzlicher Wirksubstanz, das die Naturheilkunde schon lange vor der Pharmaindustrie kannte.

Fazit
Nelkenwasser ist kein Wundermittel. Wer das erwartet, wird enttäuscht sein. Was es ist: ein einfach zuzubereitendes Hausmittel mit einem gut erforschten Wirkstoff (Eugenol), das bei Blähungen, leichten Verdauungsproblemen und als Mundspülung eine sinnvolle Ergänzung sein kann.
Die Wirkung des Eugenols selbst ist wissenschaftlich gut belegt – antimikrobiell, antioxidativ, leicht betäubend. Ob diese Wirkungen beim Trinken von Nelkenwasser in relevantem Ausmaß ankommen, hängt von der jeweiligen Anwendung ab. Bei Zahnschmerzen wirkt Nelkenöl direkt auf die Stelle deutlich besser. Beim Trinken ist Nelkenwasser die magenfreundlichere Option.
Wichtig bleibt: Nelkenwasser ersetzt keine ärztliche Behandlung, ist nicht für Schwangere und Kleinkinder unter 2 Jahren geeignet und sollte nicht als Dauerlösung betrachtet werden. Mit dem Fokus auf natürliche, einfache Zutaten passt es gut in einen nachhaltigeren Alltag – als Teil eines bewussten Umgangs mit dem, was die Natur bietet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schmeckt Nelkenwasser?
Nelkenwasser hat einen kräftigen, aromatisch-scharfen Geschmack, der an Weihnachtsgebäck erinnert. Der Geschmack ist deutlich intensiver als bei anderen Kräutertees. Wer ihn zu stark findet, kann weniger Nelken nehmen oder das Wasser kürzer ziehen lassen.
Kann ich Nelkenwasser täglich trinken?
1–2 Tassen täglich über einige Tage sind für gesunde Erwachsene unbedenklich. Nelkenwasser sollte aber nicht als tägliches Dauergetränk verstanden werden. Eine Pause von einigen Wochen nach einer kurzen Anwendungsphase ist sinnvoll.
Hilft Nelkenwasser wirklich bei Zahnschmerzen?
Nur bedingt. Der betäubende Effekt von Eugenol wirkt am besten bei direktem Kontakt mit der Schmerzstelle. Als Mundspülung kann Nelkenwasser leicht lindernd wirken. Für gezielte Zahnschmerzbehandlung ist Nelkenöl auf einem Wattestäbchen direkt auf die betroffene Stelle effektiver. Bei anhaltenden Zahnschmerzen ist ein Zahnarztbesuch unumgänglich.
Was ist der Unterschied zwischen Nelkenwasser und Nelkentee?
Es ist dasselbe. Nelkenwasser und Nelkentee bezeichnen denselben Aufguss aus Gewürznelken. Manche verwenden den Begriff „Nelkenwasser“ für den kühleren, getrunkenen Aufguss und „Nelkentee“ für die heiße Variante – das ist aber keine allgemeingültige Unterscheidung.
Kann Nelkenwasser beim Abnehmen helfen?
Nein, zumindest nicht direkt. Es gibt keine belastbaren Studien, die Nelkenwasser eine Wirkung auf das Körpergewicht belegen. Manche Quellen behaupten, Eugenol könne den Stoffwechsel anregen – das ist in Laborstudien in sehr hohen Konzentrationen gezeigt worden, hat aber keine praktische Relevanz beim Trinken von Nelkenwasser in normalen Mengen.
Ist Nelkenwasser auch für Kinder geeignet?
Für Kinder unter 2 Jahren wird Nelkenwasser nicht empfohlen. Für ältere Kinder in kleinen Mengen ist es grundsätzlich unbedenklich, aber es gibt keine spezifischen Dosierungsempfehlungen für Kinder. Im Zweifel lieber den Kinderarzt oder die Kinderärztin fragen.
