Wer einmal selbst gemachten Tomatensaft probiert hat, trinkt den gekauften kaum noch. Der Unterschied ist sofort spürbar: Das Aroma ist intensiver, die Farbe satter, und du weißt genau, was drin ist. Kein Konzentrat, keine Konservierungsstoffe, kein Salz in Mengen, die einen schaudern lassen.
Gekaufte Tomatensäfte werden meist aus Tomatenmark und Wasser rekonstituiert, also nicht wirklich aus frischen Tomaten gepresst. Das erklärt, warum der Geschmack so flach wirkt. Wer dagegen reife Sommertomaten aus dem eigenen Garten oder vom Markt verarbeitet, bekommt ein Produkt, das mit dem Supermarkt-Pendant kaum zu vergleichen ist.
Der gute Nachricht: Tomatensaft selber machen ist gar nicht schwer. Du brauchst keine Profi-Ausrüstung, keine Vorkenntnisse in der Lebensmittelverarbeitung. Ein paar Grundregeln, die richtigen Tomaten und etwas Zeit reichen aus, um einen Saft herzustellen, der sich auch einkochen und den ganzen Winter über genießen lässt.
Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie es geht, welche Tomatensorten sich am besten eignen, wie du den Saft würzt und wie du ihn haltbar machst. Los geht’s.
- Fleischtomaten und San-Marzano-Sorten liefern den besten Saft, da sie wenig Wasser und viel Fruchtfleisch haben.
- Für die Basis-Methode werden Tomaten kurz aufgekocht, dann durch ein Sieb oder eine Flotte Lotte passiert.
- Mit Entsafter oder Mixer geht es schneller, aber die Textur unterscheidet sich je nach Methode.
- Würzen erst am Ende: Salz, Pfeffer, Zitronensaft und frische Kräuter machen aus Tomatensaft ein Geschmackserlebnis.
- Eingekochter Tomatensaft hält sich bis zu 12 Monate, wenn er richtig sterilisiert und vakuumiert wird.
Die besten Tomaten für selbst gemachten Tomatensaft
Nicht jede Tomate macht einen guten Saft. Cocktail- und Cherrytomaten haben zwar viel Aroma, aber auch viel Schale und Kerne im Verhältnis zum Fruchtfleisch. Das macht die Verarbeitung mühsam und die Ausbeute gering. Besser geeignet sind größere, fleischige Sorten mit wenig Hohlräumen und einem niedrigen Wassergehalt.
Die klassische Wahl ist die San-Marzano-Tomate. Diese Pflaumensorte aus Süditalien hat wenig Kerne, viel dichtes Fruchtfleisch und ein süßlich-aromatisches Geschmacksprofil, das sich ideal für Saft und Soßen eignet. Wer einen Garten hat, lohnt es sich, diese Sorte anzubauen.
Ähnlich gut funktionieren:
- Fleischtomaten (z. B. Ochsenherz, Costoluto Genovese): sehr großes Fruchtfleisch, wenig Saft beim Anschnitt, intensives Aroma
- Roma-Tomaten: kompakt, ovalförmig, kaum Kerne, hohe Ausbeute beim Saften
- Harzfeuer-Tomaten: kräftiger Geschmack, gut geeignet für würzige Varianten
- Alte Tomatensorten wie Andenhorn oder Black Krim: ungewöhnlichere Aromen, die den Saft interessant machen
Was alle guten Safttomaten gemeinsam haben: Sie sollten vollreif sein, also tief rot und weich auf Druck. Unreife Tomaten schmecken säuerlich und liefern einen dünnen Saft. Überreife, also leicht faltige oder weiche Tomaten eignen sich übrigens gut zum Einkochen, solange sie keine Schimmelstellen haben. Marktreife kauft man am besten Ende August bis Oktober, wenn die Sommersaison auf dem Höhepunkt ist.
Auch die Herkunft spielt eine Rolle. Tomaten aus biologischem Anbau oder dem eigenen Garten haben meist mehr Geschmack als Gewächshaus-Ware, die für lange Transportwege und lange Haltbarkeit gezüchtet wurde. Wer beim lokalen Biomarkt kauft oder selbst anbaut, bekommt das beste Ausgangsmaterial.
Tomatensaft selber machen – Schritt für Schritt
Die klassische Methode funktioniert mit wenig Aufwand und ohne besondere Geräte. Du brauchst nur einen großen Topf, ein Sieb oder eine Flotte Lotte und etwas Geduld.
Zutaten (für ca. 1 Liter Saft)
- 1,5 bis 2 kg reife Tomaten (vorzugsweise Fleisch- oder Pflaumensorten)
- Saft von 1 Zitrone
- 1 TL Salz (zum Abschmecken)
- Optional: 1 kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, frisches Basilikum oder Sellerie
Vorbereitung
Tomaten gründlich waschen und den Strunk entfernen. Fleckige oder beschädigte Stellen großzügig wegschneiden. Eine Schälung ist nicht nötig, da die Schalen beim Passieren herausgefiltert werden. Schneide die Tomaten grob in Viertel, damit sie im Topf schneller Flüssigkeit abgeben.
Aufkochen und Weichkochen
Gib die Tomatenstücke in einen großen Topf und erhitze sie bei mittlerer bis hoher Hitze. Ohne Zugabe von Wasser – die Tomaten geben beim Erhitzen selbst genug Flüssigkeit ab. Rühre regelmäßig um, damit nichts ansetzt. Nach etwa 10 bis 15 Minuten sind die Tomaten weich und beginnen auseinander zu fallen. Das ist der Moment, an dem du den Herd etwas zurückschaltest.
Passieren
Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Gieße die weichen Tomatenmasse durch eine Flotte Lotte (auch Flotterlotte oder Gemüsemühle genannt) oder durch ein feines Sieb und drücke den Saft aktiv durch. Die Flotte Lotte ist deutlich effizienter, weil sie das Fruchtfleisch mechanisch durch die Scheibe drückt und Schalen sowie Kerne im Rückstand bleiben. Mit einem Sieb und Löffel geht es zwar auch, dauert aber länger.
Der Saft, der unten aufgefangen wird, ist dein roher Tomatensaft. Du kannst ihn jetzt direkt trinken, weiterverarbeiten oder einkochen. Beim ersten Mal wirkt die Konsistenz vielleicht ungewohnt dickflüssig, das ist normal und zeigt, dass viel Fruchtfleisch enthalten ist.
Abschmecken
Erhitze den passierten Saft noch einmal kurz auf ca. 80 bis 90 Grad, gib Zitronensaft, Salz und nach Wunsch weitere Gewürze hinzu. Probiere immer wieder zwischen. Tomatensaft kann gut Salz vertragen, denn Salz hebt das Tomatenaroma hervor, ohne den Saft salzig schmecken zu lassen. Ein Spritzer Zitrone macht ihn frischer und heller im Geschmack.

Tomatensaft mit Entsafter oder Mixer
Wer keine Flotte Lotte hat oder schneller zum Ergebnis kommen möchte, kann auf zwei Alternativen zurückgreifen: den Slow Juicer (Entsafter) oder den Mixer. Beide haben Vor- und Nachteile, und das Ergebnis unterscheidet sich deutlich vom klassischen Kochverfahren.
Mit dem Slow Juicer
Ein Slow Juicer (auch Cold-Press-Entsafter) presst die Tomaten kalt, also ohne Hitze. Das bedeutet, dass mehr hitzeempfindliche Vitamine erhalten bleiben. Außerdem ist der Saft klarer und hat eine etwas schlankere Konsistenz. Der Nachteil: Die Ausbeute bei Tomaten ist etwas geringer als bei der Kochmethode, weil das Fruchtfleisch nicht so stark aufgeschlossen wird. Für den Slow Juicer müssen die Tomaten nicht vorgekocht werden, einfach waschen, Strunk entfernen und einführen.
Mit dem Mixer oder Stabmixer
Im Mixer werden die rohen oder leicht vorgekochten Tomaten einfach püriert. Das Ergebnis ist ein smoothie-artiger Tomatensaft, der mehr Ballaststoffe enthält, weil Schalen und Kerne mitgemixt werden. Wer das nicht möchte, streicht das Püree anschließend durch ein feines Sieb. Der Vorteil dieser Methode liegt in der Schnelligkeit und darin, dass du kein Spezialgerät brauchst. Ein Stabmixer im Kochtopf direkt reicht aus.
Für ein Heißverfahren mit Mixer kochst du die Tomaten wie oben beschrieben weich, lässt sie etwas abkühlen und pürierst sie dann. Danach durch ein Sieb streichen, um Kerne und Schalenreste zu entfernen. Dieses Verfahren eignet sich gut für größere Mengen und gibt die beste Ausbeute.
Die Entscheidung zwischen Entsafter und Mixer hängt vor allem von der gewünschten Textur und dem verfügbaren Equipment ab. Wer viel Tomatensaft produzieren und einkochen will, fährt mit der klassischen Koch-und-Passier-Methode am besten.
Tomatensaft würzen und verfeinern
Tomatensaft pur hat schon Charakter. Aber erst durch die richtige Würzung entfaltet er sein volles Potenzial. Hier gibt es erstaunlich viel Spielraum, von klassisch-mediterran bis hin zu würzig-scharf.
Die klassische Basis
Salz und Zitronensaft sind Pflicht. Das Salz hebt das Tomatenaroma hervor und gibt dem Saft Tiefe. Zitronensaft sorgt für Frische und einen helleren Geschmack. Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer rundet die Basis ab. Für eine dezente Süße kann ein Teelöffel Agavendicksaft oder Honig ergänzt werden, besonders wenn die Tomaten etwas säuerlich sind.
Kräuter und Aromen
- Basilikum: Das klassische Tomate-Basilikum-Duo funktioniert auch im Saft hervorragend. Am besten frische Blätter kurz mitkochen oder als Garnitur.
- Sellerie: Ein kleiner Stängel Staudensellerie mitgekocht gibt dem Saft eine herzhafte, fast würzige Note, ähnlich wie im V8-Saft.
- Tabasco oder Chiliflocken: Wer es schärfer mag, gibt einen Spritzer Tabasco oder eine Prise Chiliflocken dazu.
- Worcestersauce: Für Umami-Tiefe, besonders wenn du Richtung Bloody-Mary-Stil möchtest.
- Knoblauch: Eine Knoblauchzehe mitkochen macht den Saft herzhafter. Wer keinen rohen Knoblauchgeschmack möchte, gibt die Zehe im Ganzen dazu und nimmt sie vor dem Passieren wieder heraus.
V8-Style-Variante
Der amerikanische V8-Gemüsesaft ist eine Mischung aus acht Gemüsesorten. Eine einfache Annäherung gelingt, indem du beim Kochen Karotten, Sellerie, Zwiebeln und etwas Rote Bete mitgibst. Das erhöht den Nährstoffgehalt und macht den Saft komplexer im Geschmack. Einfach das Gemüse grob zerkleinert mitkochen und alles zusammen durch die Flotte Lotte passieren.
Beim Würzen gilt: immer am Ende abschmecken, nachdem der Saft fertig passiert und erhitzt wurde. Hitze verändert Aromen, und was roh intensiv wirkt, kann nach dem Kochen milder werden.
Tomatensaft haltbar machen und einkochen
Frischer Tomatensaft hält im Kühlschrank zwei bis drei Tage. Wer eine größere Menge verarbeitet oder die Sommerernte konservieren möchte, kann den Saft einkochen und so bis zu zwölf Monate haltbar machen.
Einkochen im Wasserbad
Sterilisiere zunächst die Einmachgläser. Dafür einfach Gläser und Deckel mindestens 10 Minuten in kochendem Wasser auskochen und dann auf einem sauberen Tuch abtropfen lassen. Fülle den heißen Saft (mindestens 85 Grad) direkt in die sterilisierten Gläser, bis kurz unter den Rand. Deckel fest verschließen und die Gläser sofort umdrehen, damit sich ein Vakuum bildet.
Alternativ kannst du die gefüllten Gläser noch einmal im Wasserbad bei 90 Grad für 20 bis 25 Minuten einkochen. Das ist zuverlässiger und empfehlenswert, wenn du auf Nummer sicher gehen willst.
Einfrieren als Alternative
Tomatensaft lässt sich auch hervorragend einfrieren. Fülle ihn in Einfrierboxen oder Eiswürfelformen und lagere ihn bis zu 12 Monate. Der Nachteil beim Einfrieren: Nach dem Auftauen trennt sich die Flüssigkeit etwas von den Feststoffen. Kurzes Umrühren reicht, um alles wieder zu verbinden.
Hygiene ist entscheidend
Beim Einkochen von Tomaten gibt es eine wichtige Regel: Tomatensaft ist von Natur aus säurehaltig, was das Wachstum vieler Bakterien hemmt. Trotzdem solltest du immer auf saubere Gläser und korrekte Temperaturen achten. Gläser, die nach dem Abkühlen keinen Unterdruck haben (Deckel wölbt sich nach oben), solltest du sofort in den Kühlschrank stellen und innerhalb weniger Tage verbrauchen.
Das Thema nachhaltiger Konsum gilt übrigens nicht nur bei der Ernährung selbst. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du Lebensmittelabfälle im Alltag reduzierst und nachhaltig konsumierst, ist der Beitrag über Zero Waste im Alltag ein guter nächster Schritt.
Nährwerte und Gesundheitliches
Tomatensaft ist ein erfrischend nährstoffreicher Drink. Eine Portion von 250 ml liefert dabei überraschend viel:
- Kalorien: etwa 45 kcal, sehr kalorienarm
- Lycopin: ein Carotinoid, das als Antioxidans gilt und für die rote Farbe verantwortlich ist. Lycopin ist in verarbeitetem Tomatensaft besser bioverfügbar als in rohen Tomaten, weil die Zellstruktur durch das Kochen aufgebrochen wird.
- Vitamin C: Tomaten sind eine gute Vitamin-C-Quelle. Beim Kochen gehen allerdings Teile davon verloren, weswegen ein Spritzer Zitronensaft sinnvoll ist.
- Kalium: Tomatensaft enthält vergleichsweise viel Kalium, das für die Herzfunktion und den Flüssigkeitshaushalt eine Rolle spielt.
- Folsäure: Wichtig für den Zellstoffwechsel, besonders für Schwangere relevant.
Im Vergleich zu gekauftem Tomatensaft hat selbst gemachter den Vorteil, dass du den Salzgehalt selbst bestimmst. Viele Supermarkt-Varianten enthalten pro 250 ml bis zu 600 mg Natrium, also knapp ein Viertel des empfohlenen Tagesbedarfs. Wer den Saft selbst macht und nur leicht salzt, kann das deutlich reduzieren.
Tomatensaft passt gut in eine ausgewogene Ernährung. Wer sich für das Thema nachhaltige Lebensmittelkennzeichnung interessiert und verstehen möchte, welche Siegel wirklich etwas bedeuten, findet im Beitrag über das Fairtrade-Siegel hilfreiche Hintergründe.
Fazit
Tomatensaft selber machen lohnt sich, wenn du reife Tomaten zur Hand hast und weißt, worauf es ankommt. Der Aufwand ist überschaubar, das Ergebnis deutlich besser als jede Supermarkt-Variante. Du bestimmst die Zutaten, den Salzgehalt und das Aroma. Und du weißt, dass kein Konzentrat, kein Zucker und kein künstliches Konservierungsmittel im Glas landet.
Für den Einstieg empfehle ich die klassische Kochmethode mit Flotte Lotte. Sie ist einfach zu skalieren, gibt die beste Ausbeute und lässt sich problemlos für das Einkochen nutzen. Wer nur mal ausprobieren möchte, fängt mit einem Kilo Tomaten an und sieht, wie es ihm schmeckt.
Die beste Jahreszeit dafür ist August bis Oktober, wenn Tomaten auf dem lokalen Markt günstig, reif und aromatisch sind. Einige Kilos verarbeiten, in Gläser abfüllen und den Winter über genießen. Das ist nachhaltig, lecker und macht auch ein bisschen stolz.
FAQ
Welche Tomatensorte eignet sich am besten für Tomatensaft?
Fleischtomaten, San-Marzano- und Roma-Sorten eignen sich besonders gut, weil sie wenig Wasser, viel Fruchtfleisch und wenig Kerne haben. Das ergibt eine höhere Ausbeute und einen intensiveren Geschmack. Cherrytomaten gehen auch, sind aber mühsamer in der Verarbeitung.
Muss ich die Tomaten schälen, bevor ich Saft mache?
Nein, das ist nicht nötig. Wenn du die Tomaten aufkochst und durch eine Flotte Lotte oder ein Sieb passierst, bleiben Schalen und Kerne automatisch zurück. Das spart Zeit und Arbeit.
Wie lange ist selbst gemachter Tomatensaft haltbar?
Im Kühlschrank hält er sich zwei bis drei Tage. Eingekocht in sterile Gläser und vakuumiert ist er bis zu zwölf Monate haltbar. Im Gefrierschrank hält er ebenfalls bis zu einem Jahr.
Kann ich Tomatensaft auch mit dem Mixer machen?
Ja, das funktioniert gut. Rohe Tomaten im Mixer pürieren und danach durch ein feines Sieb streichen, um Kerne und Schalenreste zu entfernen. Der Saft wird etwas dickflüssiger und enthält mehr Ballaststoffe als bei der Kochmethode.
Warum ist selbst gemachter Tomatensaft gesünder als gekaufter?
Du kontrollierst alle Zutaten selbst. Kein Konzentrat, kein Zusatzsalz in übermäßigen Mengen, keine Konservierungsstoffe. Außerdem nutzt du reife, vollwertige Tomaten, die mehr Aroma und Nährstoffe mitbringen als Industrieware. Das Lycopin im gekochten Saft ist sogar besser verfügbar als in rohen Tomaten.
